Freitag, 18. September 2020

Die Nächte hier sind still und ich mag das, aber manchmal ist es auch wie ein Raum ohne Echo, keine entfernte Autobahn, anhand derer ich meine eigene Position in der Welt berechnen könnte

Dienstag, 4. August 2020

Seit ich meine Stimme täglich für Servicezwecke verwende, verliere ich nach und nach das Vertrauen in sie als künstlerisches Ausdrucksmittel, sie ist jetzt ein gut funktionierendes Werkzeug – würde sie gerne „zurückerobern“.

Montag, 3. August 2020

Zu jedem amtlichen Sperrmüll gehört zwingend ein verwitterter Holzschlitten, falls sie keinen im Keller haben, wird einer von der Stadt zur Verfügung gestellt

Dienstag, 28. Juli 2020

Ausnahmsweise mal einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, mit einem winzigen U-Bahn-Abschnitt dazwischen, sofort Großstadtgefühle, angenehm verloren, wie jemand im Urlaub

Dienstag, 14. Juli 2020

Tourismuswerbung weckt bei mir keine Sehnsucht, weil die Versprechungen (Abenteuer, tolle Landschaften, Liechtenstein liebt dich) immer so großspurig sind. Aber ich kann mir vorstellen, dass eine bestimmte Abfolge von Bildern andere Menschen wirklich innerlich zerreißt, Menschenmengen, die sich freudig aneinander reiben, Bungeejumper, die aus Flugzeugen fallen und lachen, während im Hintergrund ein Feuerwerk explodiert, das Leben!!!
Ich mag auch manchmal Aufregung, z. B. als auf dem Weg nach Kopenhagen der Zug unerwartet in eine Fähre eingeladen wurde, das war fantastisch.

Samstag, 27. Juni 2020

Vater kneift seinem jungen Sohn in den Arm und sagt: „Alles Pudding! Du musst trainieren und groß und stark werden!“
Was sind denn das für Werte? Niemand muss 2020 noch „stark“ sein, dafür gibt es Exoskelette!

Sonntag, 21. Juni 2020

In meinen unangenehmsten Träumen bin ich wieder in irgendeinem Studium, schlecht vorbereitet auf Prüfungen. Kann mich zu gut an die realen Gefühle dazu erinnern.

Samstag, 13. Juni 2020

Bis jetzt für mich der schönste Sommer seit Jahren, ständig brodelt es am Himmel, alles ist eine gräuliche warme Suppe.
Die Regentruden sind hellwach und sehen den Sümpfen beim Wachsen zu und ich helfe auch mit meiner mickrigen Gießkanne.

Freitag, 29. Mai 2020


Meine Allmachtsfantasie: Jeder Schein, den ich klebe kommt zu mir zurück wie ein anhängliches Vögelchen, jeder jemals geflickte Schein wurde von mir ausschließlich geklebt.

Mittwoch, 27. Mai 2020

Erinnere mich an manche Besuche bei losen Schulfreunden wie an verschwommene Träume, wieso war ich zu Besuch bei dir, Maik, wie bin ich da hingekommen? Bin ich dir einfach nachgelaufen und keiner hat mich aufgehalten?
Woran ich mich hingegen scharf erinnere, ist der einzige Kinobesuch, den ich je mit meinem Bruder allein machte, wir sahen „Tom & Jerry – Der Film“. Ein Typ aus der Reihenhaussiedlung meinte später, das sei kein richtiger Film, wir hätten in „Armageddon“ gehen sollen.

Dienstag, 26. Mai 2020

Manchmal mache ich das Fenster auf und zwischen den Häuserwänden hallen tausend Geräusche hin und her und dann kommt mir die ganze Welt vor wie ein überfülltes Schwimmbad und nirgends ein schattiges Plätzchen

Samstag, 23. Mai 2020

Wenn man zu wenig geschlafen hat, schaltet der Körper auf Notbetrieb um, wo im Prinzip alles funktioniert, nur das Selbstsicherheitsmodul nicht.

Mittwoch, 20. Mai 2020

Würde gern mal „in bester D-Netz-Qualität“ telefonieren, aber es wäre bestimmt enttäuschend

Freitag, 1. Mai 2020

Auch aus erwachsener Sicht fällt es mir auf der Arbeit bei manchen Kartons noch schwer, sie zu zerlegen. So stabil, so elegant! Früher hätte ich darin mindestens eine Woche gewohnt. Am „Nürnberger Ei“ in Dresden gab es ein Elektrofachgeschäft, die haben manchmal ihre leeren Stehlampenkartons rausgerückt, wenn man lieb gefragt hat

Donnerstag, 30. April 2020

Dass Drinnitum jetzt erwünscht ist, kommt mir noch immer so absurd vor, als wäre Sächsisch plötzlich cool

Dienstag, 14. April 2020

Der Ingenieur*in ist nichts zu schwer, außer Schienenersatzverkehr. Durchsage: „Es wurde für Sie ein SEV mit Reitschweinen, Flugaffen und Einrädern eingerichtet.“

Samstag, 4. April 2020

Meine fünftgrößte Lebenserrungenschaft ist, "Kenne ich nicht!" zu sagen, wenn ich etwas nicht kenne. Man lernt dabei viel mehr.

Samstag, 28. März 2020

Saftige Früchte machen mich aggressiv, meine Mandarinen mag ich am liebsten staubtrocken

Freitag, 27. März 2020

Dieses Jahr fällt im Dorf meiner Großeltern die große Gülleparade aus, keine bunt geschmückten Güllelaster, nur gute Luft und Stille auf den Straßen

Mittwoch, 18. März 2020

Ich liebe die Tage, an denen sich meine Haare ganz ohne Widerstände zu einer schaumigen Masse schlagen lassen

Samstag, 7. März 2020

Wahrscheinlich werde ich nie wieder, angetrieben von meinen Eltern und unter viel Gemaule, auf irgendeinen verschneiten tschechischen Berg steigen und da Kroketten essen und ein bisschen traurig bin ich darüber schon

Montag, 2. März 2020

Männer behaupten gerne sie wären immun gegen Seifenopern und Klatsch, aber von außen betrachtet trennen sich dauernd „Fußballtrainer“ von irgendeinem „Verein“ bereits nach zwei Wochen Ehe und dann wer kriegt die 11 Kinder, das hässliche Haus mit der großen Wiese, aber ohne Dach

Samstag, 22. Februar 2020

Endlich mal wieder „Buttertoast“ mit Invertzuckersirup, wie früher auf Omas Bauernhof. Am meisten vermisse ich an den Sommerferien, dass sie mich für schlau hielt.

Dienstag, 18. Februar 2020

Alle paar Wochen fotografiere ich bewusst mit dem iPad, weil man die Fotos darauf immer vergisst und sich Monate später doppelt über sie freut

Sonntag, 9. Februar 2020

Früher gab es in allen Räumen Aquarien und die Fische rauchten permanent Kette. Und in Luftballons spiegelte sich immer ein einzelnes Fenster.

Mittwoch, 5. Februar 2020


Finde faszinierend, dass klar ist: Es gibt keine „Coffee-Lounge“ (mit Meerblick), nur ein Bild davon, damit man sich was erträumen kann, während man am Bahnhof steht. Glaube, genau so wird die Zukunft sein – an einer Wand ein verblichenes Poster von einem Arzt, daneben ein umfunktionierter Süßigkeitenautomat, aus dem man sich Tabletten ziehen kann.

Mittwoch, 29. Januar 2020

Im Traum hat mir ein Berufsschullehrer erklärt, Risiko würde sich auszahlen, ist mit einem Go-Kart in den Gegenverkehr gefahren und hat das Rennen gewonnen (!)

Dienstag, 21. Januar 2020

Hoffentlich kommt im Stern mal ein investigativer Bericht über das „Haifischbecken Puppenspiel“, mit naiven Franchisenehmern, Grüffelo-Gerichtsverfahren und allem – und wie genau unterscheidet sich die Handpuppenversion von „Paw Patrol“ von der Stadionversion, was PASSIERT da?

Montag, 13. Januar 2020

Idiotische Sachen die ich mir aus Filmen abgeguckt habe: Sich zur „Selbstmotivation“ ins Gesicht klatschen wie so ein Börsenonkel