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Freitag, 29. April 2016

Heute Abschiedsrunde in Mittweida: Super Dickmann's bei den Ex-Arbeitsmenschen abladen, Bibliotheksgebühren zahlen. Dann Schrottplatz.
Habe jemanden per Kleinanzeige angeheuert, mich und meinen Müll dorthin zu fahren. Er herrklärt mir, warum ich keinen Geschäftssinn habe, da ich ihm zu viel Geld geben will:

„20€ für eine Fuhre zum Schrottplatz, unter uns, viel zu viel!“
„Ich hab mich BEWUSST für 20€ entschieden, weil es dringend war.“
„Zu viel!“
Typ, ich hab dich ANGELOCKT und GEKAUFT. Das, was Männer unter „Geschäftssinn“ verstehen, ist eigentlich immer nur unsoziales Verhalten auf Kosten anderer und Kleinsparergetrickse.

Ich entferne mich sicher aus der Stadt wie einen USB-Stick. Abschiedsprozesse sind immer (meist?) für einen selbst, nicht für die anderen.

Samstag, 16. April 2016

Wir sitzen in der Bäckerei Möbius. Draußen Platzregen. Frühling lässt sein graues Endlosband lustlos wobbeln durch die Lüfte.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Wollte ein L'Oréal-Haarwachs kaufen. Die Kassiererin fand es nicht im „System“. Und schenkte mir das Wachs.
Das war schon sehr erstaunlich.

Samstag, 19. Dezember 2015

Ein behelmter Radfahrer fãhrt an mir vorbei und hat dabei mit einem Walkie Talkie Telefonsex.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Der Schuhhändler steht im Regen draußen, putzt seine neue Scheibe. Ich ergreife die Gelegenheit, ihn über seine bizarren Preise auszufragen.



"Warum kosten die Stiefel zum Beispiel 85,63€? Ich versteh das nicht, was ist ihr geheimes System?" - "Minus 3%." - "Und die?" - "Minus 3%!"

Freitag, 25. September 2015

SEV Mittweida-Chemnitz

Der Busfahrer entsorgt seine Happy Meal-Verpackung. Jemand könnte daraus Schlüsse ziehen. Niemand sollte es tun. Vielleicht aß er mit seinem Kind, das er nur so sehen kann. In einer Pause, an einem Bahnhof.
Ein ungewöhnlich voller Bus.
Viele Schüler.
Biermoleküle in der Luft.
Ich verstehe die Wege aus Mittweida raus nicht. Es gibt mehrere.
Irgendwo gibt es eine Agentur, die vielleicht davon lebt, sich immer wieder neue Variationen derselben Schwarzfahrwarnungen auszudenken: "€ 40 ,- sind viel Geld..."
Wie oft hat mein Gehirn dieses eine Schild schon erfasst?
Passieren einen Fristo-Getränkemarkt.
Zschöppichen 2 km.
Das Gefühl von Ellenbogen gegen Busscheiben. Kühlung und Schmerz.
Kleine Punkte im Dichtungsbereich der Scheibe. Sie werden dichter zum Rand hin.
"Von hier aus kann man bis X sehen."
Ja, aber wozu.
Die Luft wird bereits knapp hier drin.
Die Lunge enger schnallen.
Ich weiß nicht, wo wir sind.
Wieso ist jetzt hier der Freizeitpark "Sonnenlandpark"? Er wird mit Solarzellen befeuert.
Das Wort "Tristesse" ist eine Erfindung von Menschen, die auch ihre Kinder bunt ansprühen würden, wären sie ihnen zu fad.
Ist das jetzt die Autobahn? Oder nur ein Autobahnzubringer?
"40 Minuten sind viel Zeit..."
Unregelmäßig bewachsene Lärmschutzwälle. Einzelne Frames eines ganz okayen Films, der vorbeiläuft. Herbstliches Flackern. Schlechter Soundtrack. Oxygenmoron. Mein Gehirn kocht. Auf Sparflamme. Diese Busfahrt war verdunkelnd, nicht erhellend.
Chemnitztalstraße 16.
Oh, hier ist die Wurzel der bunt angemalten Chemnitzer Esse.
Schöner als der Eiffelturm.
Plattenbauten aus Vinyl. Alle Wände können klingen, wenn man sie mit einer Nadel langfährt. Rillen in allen Zimmern, unter der Tapete. Ich ersehne mir das Ziel der Fahrt, damit ich diesen Text abschicken kann. Sorge mich um seine Beständigkeit im Arbeitsspeicher des BlackBerrys.
Ich könnte so tun, als wäre ich bereits angekommen. Aber vielleicht verpasse ich einen Eindruck auf den letzten Metern.
Eingeschlagene Scheiben, Haarschneidegeschäfte. Bitte hört auf, euch über Friseurnamenwortspiele zu mockieren. Die haben vielleicht nichts anderes. Ihr wollt ja nicht mit Friseur*innen reden, es sei lästig. Also denken sie sich Wortspiele aus, während der Akkurasierer summt und die Blondierung leise vor sich hinätzt. Vermutlich entstehen da auch noch andere Sachen. Gedichte über Hinterköpfe. Der Bahnhof ist in Sicht.
Goldener Schein auf dem Dach, kleierner Haferbreihimmel drüber.
Füße auf Kopfstein. Lass mich dich in Sicherheit bringen, Bustext.

Donnerstag, 17. September 2015

Fluide Feste

Das ideale Jahr hätte 730 Tage. Weihnachten markierte in ihm den Jahresmittelpunkt. Nach Dezember käme der Monat Sanenuar. Vier Wochen der geistigen Einbalsamierung und Heilung. Natürlich folgte dann, wie sonst auch, eine Art Frühling, aber wer weiß, vielleicht würde die Jahreszeitenunsicherheit, die Menschen immer befällt - wieso passt das vorm Fenster nicht zur Beschreibung im Programmheft - sich auch auflösen lassen, wenn ohnehin eine große Unsicherheit anstünde:

Ah, grauer Himmel, Schnee und grüne Wiesen, keine Ahnung, was das sein soll, aber ich werde es genießen.

Die erste Hälfte des Jahres, die von Januar bis Dezember, bliebe bekannt und klassisch, aber dann? Dann Aufregung. Kein Ostern, kein Geburtstag, gar keine Feiertage, die im jetzigen Turnus ohnehin viel zu häufig auftreten. Ich wünsche mir Weihnachten nur alle zwei Jahre. Weniger Rituale, stattdessen fluide Feste.

Dienstag, 27. Januar 2015

Vor Marions Reisebüro hat jemand einen Becher Vanillepudding fallengelassen. Gelber Schleim in Regenpfützen.

Dienstag, 6. Januar 2015

Auf der Straße liegt ein Berg rosaner Müllsäcke. Einem Mann fällt ein Glas Marmelade runter. Stadtmitarbeiter entfernen Weihnachtsschmuck.

Mittwoch, 26. November 2014

Aaltag.

Mittag. 
Am halb abgerissenen Hotel "Stadt Chemnitz", der Nazikneipe, dem Auto mit Werbung für "Nancys Kerzenparadies" vorbeigleiten.

Abend.
Mädchen, die in an einem Sonntag in einer Bank abhängen, weil es der einzige offene, geheizte Ort ist. Naja, hab ich auch schon gemacht.

Eine Fahrradgang rollt die Rochlitzer Straße lang. Einer trägt einen Armleuchter mit brennenden Kerzen. Die Luft riecht angenehm verbrannt.

Der Ort ist nie das Problem. Menschen, die sich woandershin geschleppt haben, sterben halt unter einer Veranda aus Glas statt Pappe.