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Dienstag, 9. September 2014

Animal Crossing, Prävisualisierung und versteckte Emotionen

Derzeit beschäftige ich mit einem Teilproblem der Prävisualisierungssoftware meines Arbeitgebers - nämlich, dass Figuren in einem 3D-Raum zwar herumgesteuert und auf Knopfdruck auch mit Animationen aus einer Bibliothek belegt können, dabei aber der Vorsatz des "Actings" völlig verloren geht, bzw. nicht über das hinaus kommt, was man beispielsweise in MMOs findet. Eine Figur steht herum, wedelt mit den Armen oder reißt lachend den Mund auf, entweder loopt die Animation oder ist irgendwann durchgelaufen. Dies verhindert die Darstellung differenzierter Gefühlslagen.

Im letzten halben Jahr mit Animal Crossing: New Leaf stellte ich fest, dass es Parallelen zwischen den 40 Emotionen, die sich dort zeigen lassen und unserer Bibliothek gibt - extrahiert man nämlich Zwischenstände, etwa einer Lachanimation, verbergen sich dort Subemotionen, die, festgehalten mit der AC:NL-Screenshotfunktion, wieder eigenständige, abgestufte Gefühlslagen ergeben.

Da das Programm, für das ich arbeite, hauptsächlich mit einem Gamepad gesteuert wird, ist nun die Herausforderung, Animationsparameter mit beschränkten Eingabemöglichkeiten zu beeinflussen.

Ich verzichte dabei bewusst auf die 1:1-Steuerung einzelner Körperglieder. Sicherlich ließe sich Winkel eines Armes an den Laufweg eines Gamepadhebels koppeln, aber für den Bereich 3D-Prävisualisierung ist diese Herangehensweise zu langsam.

Letztlich läuft es darauf hinaus, dass an die Rotation eines Analogsticks eine komplette Animation aus einer Bibliothek gebunden wird. Diese wird aber nicht einfach abgespielt, stattdessen entspricht der Winkel 0 Frame 0, 360° ist der letzte Frame der Animation. Natürlich bestehen die meisten Animationen in ihrer Gesamtheit aus mehr als 360 Frames, deswegen findet dort eine Mischung aus Spreizung und Interpolation statt - ich teile etwa 1000 Frames durch 360 und bei jedem Grad wird ein Mikroteil der kompletten Animation abgespielt - der Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass ich nun für Nahaufnahmen auf einmal Zugriff auf 360 Abstufungen einer Lächelanimation habe, die von euphorisch bis verhalten reichen.


Animation "Geschockt" bei einem Winkel 100°

Dieselbe Animation bei 220°

Durch die Verwendung von Animationsbibliotheken bin ich nicht gezwungen, mich damit zu beschäftigen, wie ich eine Emotion überhaupt darstelle ("Hebt ein trauriger Mensch seine Augenbrauen?"), gleichzeitig bin ich aber auch nicht der Beliebigkeit einer vollständig durchlaufenden Animation ausgeliefert: zu oft sah ich bei Testaufnahmen, dass Szenen häufig wiederholt werden mussten, weil der tatsächlich passende Emotionsgrad nur zufällig auftrat.

Diese Art von Gamepad-Expressivität ist letztlich nur eine Ergänzung zu anderen eingebundenen Interfaces wie Kinect, die aber wiederum ihre eigenen Schwierigkeiten mitbringen.

(Die Software soll Drehbuchautoren ermöglichen, ihre Filmideen schnell zu visualisieren.)

Samstag, 16. März 2013

The Nomad Soul And I

Ich habe "The Nomad Soul" jetzt zum vierten Mal in meinem Leben gekauft. Hier die Chronologie:

1999 - Test in der Bravo Screenfun, Note "1-". Aussicht auf eine völlig neue Spielerfahrung, eine Stadt, in der jedes Gebäude begehbar sein soll.

2000 - Mein damaliger Suchtlebensmittelpunkt und Zulieferer von Game Boy-Modulen (Arno Jordan Technik A&V, Gambrinusstr. 8, Dresden) hatte überraschend Nomad Soul in einer einigermaßen schönen Originalbox vorrätig, in mir blinkte das Wunder von 1999 auf. Aber man sagte mir mit etwas Häme, dass ich zu jung sei und eher notgedrungen entschied ich mich dann für Final Fantasy VIII, auch im Karton. Darauf ein Bild von Squall Leonhart: meine erste Bekannftschaft mit Androgynie lange vor Brian Molko.

Die Filiale ist nicht mehr.














2001 - Auf einem sonnig-deprimierenden Rügenurlaub, den ich hauptsächlich mit Bungalowzeit, herumwandern in Pokémon-Spielständen anderer Menschen und gebrannter Linkin Park-Musik im Discman verbracht habe entdecke in einem Wochenprospekt eine Ankündigung für die Budgetversion von Nomad Soul.

Sexy motherfucker Rügen


Ein Nachbar verkaufte mir einen Computer für 700 DM ,- (K6-2 mit 400 MHz, 64 MB RAM, Riva TNT. Lüfter mit 90 dB.) Ein schlechtes Angebot, aber ich fand bei ihm auf einer PC Games-CD die Demo von Nomad Soul.
Diese erweckt in mir ein Gefühl, das ich danach nur noch selten spüren sollte - der vielleicht pathetische, aber wahre Wunsch, ich müsse eine virtuelle Welt nicht mehr verlassen.
Ganz wie es der Plan von Bowies Management vorgesehen haben muss ist dies nach einer Rolling Stone-Compilation (Rare Trax Vol. 01, David Bowie - Telling Lies [Feelgood Mix], 1997) mein erster intensiverer Kontakt mit der Musik von David Bowie.

Das Hauptspiel war ein gutes Stück Arbeit, aber ich erinnere mich an die verschiedenen Distrikte, als wäre ich dort im Urlaub gewesen. Goldenes Jaunpur. Ein wesentlicher Grund, der Welt von Nomad Soul zu glauben sind die Buchläden, in denen es aktuelle Zeitungen, Geschichtsbücher und Gedichte zu kaufen gibt. Diese Texte funktionieren, weil sie keine Lore in Schriftgröße 7 sind.
Bei späteren Sitzungen fällt mir auf, dass das Drumloop des Anekbah-Themas (im allerersten Distrikt) mehrfach ungeschickt stolpert.

Budgetversion von 2001 ... Sigh.
2006 Ich habe Fahrenheit gespielt. David Cage, der Autor von Nomad Soul, entpuppt sich als Versager. Keine Welt bricht zusammen.

2009 The Nomad Soul läuft nicht mehr ohne weiteres auf modernen Computern, bei einem meiner wenigen Leipzig-Besuche kaufe ich die oft gescholtene Dreamcast-Version. Hauptunterschied zu früher: weniger Glanz, mehr Nebel. Fehlende Ambientmusik in den Distrikten.


2012 Meine Budget-Version von 2001 ist längst verloren, in einem Dresdner Laden entdecke ich eine Box-Version, leider nicht mit dem Bowie/Boz-Artwork. Nach der Installation dann ein mulmiges Gefühl. Merkwürdig zerfressene Farben:

"What you might be experiencing is the absence of dithering. Older 3D games that ran a 16-bit frame buffer would rely on the video card to dither the display up to a perceptual 24-bit color. However, for the last several years video card manufacturers have been droppping this capability from their drivers, resulting in DX6-era games and earlier becoming much uglier." (Quelle: http://bit.ly/YxOrfg)

2013 Good Old Games nimmt Nomad Soul in den Verkauf auf und nimmt dafür immerhin 9,99$. Mit einer gewissen Treudoofigkeit nehme ich den Preis hin, schließlich werden sie wohl kaum eine Version mit offensichtlichem Color Banding in den Verkauf lassen. Schließlich ist GOG der Gnadenfriedhof der definitiven Versionen, mit reichlich Bonusmaterial als Grabbeigaben. Ein erster Test ergibt, dass das Filterproblem offenbar gelöst wurde, wahrscheinlich mit einem Postpro-Filter, der allerdings ab und zu aussetzt. Weitaus enttäuschender ist, dass sich dafür neue Grafikfehler eingeschlichen haben, die offenbar keiner sehen wollte. Eine der wesentlichen technischen Neuerungen 1999 war der fließende Übergang zwischen Straßenszenen und den diversen Läden und Apartmentblocks. Eine Drucklufttür öffnete sich und bereits von draußen war das Innere eines Geschäftes sichtbar, beim Betreten wurden die Daten im Hintergrund gestreamt. Dieses Feature wird in der GOG-Version der Lächerlichkeit preisgegeben, denn Türen öffnen sich, aber dahinter zeigt sich nur eine verwirrende Mischung aus den dahinterliegenden Gebäuden und etwas Fußboden.
Blick in Gebäudeinneres getrübt
















Omikron ist eine vernebelte Welt, die Sichtweite reicht dennoch reicht weit. Dadurch wird der Nebel, ähnlich wie bei Silent Hill oder das Fett in der Pfanne, zum Hauptgeschmacksverstärker. In der "definitiven" GOG-Version tauchen aber immer wieder grellblaue, monofarbene Flächen ohne Abstufungen auf. Auch im Polizeirevier, dem grün ausgeleuchteten ersten Arbeitsplatz, wird das grün immer wieder durch blaue Tupfer zerrissen. Dass diese Probleme meinem Computer geschuldet sein könnten habe ich bereits ausgeschlossen. Selbst die aktuelle Warez-Version vom letzten Jahr hat zwar die Dithering/Banding-Probleme, aber im Licht der neuen Grafikfehler sind die eher als geringfügig einzuschätzen.

Blue Fog of Death














Diese Beschwerden sind keine Beschwerden, sondern eher Verwunderung, warum diese Version veröffentlicht wurde. Sie ist sicherlich spielbar, aber in einer Spielerfahrung die maßgeblich auf Atmosphäre setzt, welche mangelhafte Spielmechaniken überstrahlt, ist das unverzeihlich.

3.4.2013 GOG veröffentlicht einen Patch, der alle Nebel- und Türprobleme erfolgreich beseitigt.

Sonntag, 1. April 2012

Ich packe meinen altgewordenen Computer zusammen, Mainboard, Grafikkarte und Netzteil werden gebettet in eine gepolsterte Kiste. Der Deckel schließt sich. Auf Wiedersehen Pentium 4 von 2004.
Über Computer reden muss ja eigentlich echt nicht sein.

Sonntag, 20. März 2011

Auf meinem Laptop habe ich einen leeren Ordner
"99 [Pollini] Stravinsky Prokofiev Webern Boulez [DG 447 431-2] Maurizio Pollini", jedesmal, wenn ich ihn lösche, ist er nach dem nächsten Neustart wieder da. Zombieordner, gekommen, um mich für immer zu verfolgen!

Mittwoch, 4. August 2010

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Neue Telefone bestehen nur noch aus rechteckigen Bildschirmen, auf denen Tic Tac Toe-Felder von Symbolen zu sehen sind. Manchmal kann man noch eine Tastatur ausziehen.
Charmant wie der erste eigene Schreibtisch (mit roten und blauen Eckenschützern aus Plastik), nur nicht größenverstellbar.
Wie wäre es mit so einem Telefon,  einem solchen, oder diesem hier?
Aber Forenurlauber liegen mit ihren 16 000 kb/s-Ferngläsern in den Dünen und schauen sich die Augen wund nach sowas. Ein Bildschirm mit Rand, zwei Seiten und einer Anmutung wie ein Bild in einer anthroposophischen Arztpraxis.



Wenn die Festplatte besonders intensiv arbeitet, geraten die sonst abgehackten Töne aneinander, zu einem annähernden Brummton, der klingt wie eine menschliche Stimme, nachdem sie mit Autotune um 400% in die Breite gestreckt wurde."
"Computer, die Eigenleben entwickeln, das ist mal richtig spannend, Vinzenz, gähn, willst du auch mal durch das Fernglas gucken?"

Dienstag, 22. Juni 2010

Kater schläft zwischen MT 21-Casio-Keyboard, SP-404 und Wohnzeitschriften.


Hera auch. (Singing over an instrumental I couldn't really make use of)

Mittwoch, 12. Mai 2010

Träumte von Prüfungen. Hatte zu viel Papier auf dem Tisch, nichts war in Ordnung. Konnte den Aufgabenzettel nicht mehr finden. Musste aus dem Kopf beantworten, was ich mir beim ersten Durchlesen gemerkt hatte.

Ein Blog ist fast schon ein privater Ort, im Vergleich zum Newsfeed eines sozialen Netzwerkes.
Dort stehen die Bewohner auf dem Gang und erzählen die neuesten Märchen.

Montag, 10. Mai 2010

Die Synthiepartei fordert (seit langem mal wieder etwas): Turnhallen zu Holodecks!

Dienstag, 4. Mai 2010

Montag, 20. Juli 2009

- Übersteigt die Zahl der herzmarkierten Stücke bei last.fm die 45, dann wird überprüft , was noch Gültigkeit hat, damit ein Herzinfarkt durch Verfettung verhindert werden kann
- Die Zahl der Onlinenutzer des "Walk with me!"-DS-Programms stieg in der letzten Woche von 5000 auf 50000, vorher von 3000 auf 4500. Das ganze ist leider eine verpasste Gelegenheit, die massenhaft betriebene Selbstüberwachung des Biorhythmus in irgendeiner Form wissenschaftlich zu nutzen.

Jeder trägt einen Schrittzähler bei sich, idealerweise von früh bis spät, der dann später ausspuckt, wann man sich bewegt hat und wie intensiv. Man stelle sich die schiere Rohdatenmasse vor, die darauf wartet, ausgewertet zu werden. Die Geschlossenheit des DS-Systems verhindert das. Die im Programm enthaltenen Möglichkeiten zur Betrachtung sind nur ein Anfang (und werden es bleiben).

Sonntag, 12. Juli 2009

Sonnpapa

Gleich fallen dir die Augen zu, der Fernseher wird dunkler, sein Bild.
Wasser lässt du dir übers Handgelenk laufen.
Manchmal dringt der Wassergeschmack doch noch durch - es schmeckt wie eine verflüssigte Verlängerung des Trinkglases, weil das Wasser nur an den Mundrändern ist und dazwischen Luft.
Bei Ebay schaue ich nach der Originalfernbedienung (zum dahindunkelnden TV) , denn: "Meine Eltern sind gar nicht meine Eltern, Papi sieht in Wirklichkeit so aus und kann das Bild heller und dunkler machen, ich schämte mich, ein Bild vom anderen Papi einzustellen, dessen viele Knöpfe gar keinen Nutzen haben, ich hab schon oft auf die I-Taste gedrückt und es geschah nichts. "
Mutter spricht: "Das mit der Helligkeit ist wieder so eine Idee von dir, die Lederjacke von dem Videospieljungen muss nunmal aussehn wie in Wasser getunkt, vollgesogen, dunkel. "
"Aber seine Haare heben sich kaum vom Hintergrund ab!"
"Der Fette im An- und Verkauf hat dich verflucht, Kind. Als er zu seinem Kollegen sagte, dass gleich Mittagspause sei und er wieder die FÜNF nehme, da sprach er einen Bann aus"
"Ich will auch Flüche aussprechen, über das Medium e-Mail, ich bitte um kurze Rückmeldungen, besonders, wenn keine langen Antworten möglich sind ("keine Ahnung", "kein Job", "keine Lust", "geh weg"), aber die bekomme ich nicht, die Webmailer entziehen sich ihrer Verantwortung und erinnern die Benutzer nicht an versäumte Rückschreiben"

Freitag, 1. Mai 2009